Wir recorden nur noch digital: Das sind unsere Lieblingstools…

Heutzutage recorded eigentlich fast jeder nur noch digital, ist ja auch viel einfacher. Wir sind allerdings wahrliche Software-Fans und unser wichtigstes Werkzeug ist der Laptop. Dieser wird mit verschiedensten Tools gefüttert, die ich in diesem Blogpost einfach mal aufzählen will – falls jemand Interesse hat….

Letztens habe ich auf Twitter einen Kommentar gelesen, der die Meinung vieler auf den Punkt bringt: „Der Architekt hat seine CAD-Software, der Fotograf sein Photoshop, aber der Musiker soll kein echter Musiker sein, wenn er einen Computer benutzt und keine 100 Jahre alten Instrumente?“ …

Mit solch einer Ansicht, wäre die elektrische Gitarre mit Effektboard schon Hexenwerk und der Gitarrist kein echter Musiker. Der Computer schreibt aber keine Songs. Der Computer spielt auch keine Instrumente selbständig (… noch nicht). Natürlich könnte man komplette Songs mit Samples erstellen, aber selbst das verlangt ein gewisses Maß an musikalischem Verständnis.

Falls mir jemand sagt, dass digitale Tools nichts mit echter Musik zu tun haben, dem schiebe ich meinen Laptop rüber und gebe ihm ein paar Stunden einen Song zu bauen … Ok, da wir das nun geklärt haben, kommen hier unsere Lieblings-Tools, –Instrumente und –Effekte:

Bitwig Studio

Bitwig Studio ist unsere DAW, unser Mehrspurrekorder, unsere Recording-Zentrale. Seit zwei Jahren sind wir hier zuhause. Wir haben zwischenzeitlich Cakewalk, Cubase, Studio One, Ableton und Logic Pro ausprobiert, sind dann aber hier gelandet und hängen geblieben. Im Grunde ist es tatsächlich egal, welche DAW man zum Aufnehmen benutzt. Bitwig hat aber einige kreative Features, die einfach Spaß machen…

Bitwig Studio 3.1

Wer etwas mehr zu dieser DAW erfahren will, der sollte sich mal meinen Blogpost „8 Gründe, warum Bitwig die perfekte DAW für Sound Designer ist“ auf Tropone.de ansehen.

Addictive Drums

Frank benutzt im Probe- / Aufnahmeraum ein Midi-Drumkit. Ja, iss uncool und so … Und dieses Midi-Drumkit benötigt eine Software, die seine Schläge auf dies besagte Drumkit in waschechte Rock’n’Roll Schlagzeug Trommeleien umwandelt. Auch in diesem Bereich gibt es mittlerweile soviel Software, wie Sand am Meer. Wir sind vor 6 oder 7 Jahren bei Addictive Drums hängen geblieben, weil es damals gleich Frank’s obskures Drumkit unterstützte.

Addictive Drums 2

Eine Software, wie Addictive Drums beinhaltet tausende von aufgenommenen Drumkits. Jede Nuance wurde in einzelne Samples recorded: Leichte Schläge, harte Schläge, verschiedene Effekte und sogar Patterns, falls man keinen Schlagzeuger hat und vorgefertigte Rhythmen einsetzen will.

Wenn Frank sein Midi-Drumkit spielt, dann triggert er damit diese Samples und es klingt als würde er auf einem richtigen Drumkit spielen. Also, er spielt natürlich ganz normal, es klingt einfach nur besser, als wenn wir mit verschiedenen Mikrofonen ein akustisches Drumkit im Proberaum aufzeichnen und mischen würden. Es macht die Aufnahme der Drums einfach nur wesentlich simpler und ist nicht so laut wie echte Trommeln.

Der Vorteil liegt also auf der Hand: Für ein paar hundert Euros bekommt man verschiedene Drumsounds, die schon professionell aufgenommen sind, man muss sie also nur noch spielen. Der Nachteil: Man muss auf einem Midi-Drumkit spielen, dass zum einen scheißhäßlich ist und zum anderen muss man sich an das Handling erst etwas gewöhnen.

Overloud TH-U

Nein, ich spiele meine Gitarre beim Üben und Aufnehmen nicht über einen cremigen Röhrenverstärker. Das würde für die meisten Gitarristen sicherlich niemals in die Tüte kommen und für sie würde eine Welt zusammenbrechen. Aber ich freue mich jedesmal, wenn ich mein Gitarrenkabel einfach in unser Audio-Interface stöpsel‘ und sofort aufnehmen kann.

Overloud TH-U

Ich glaube ich habe zum ersten mal vor 10 Jahren einen Software-Amp benutzt und damals klang das noch nicht so wirklich dolle. In den letzten Jahren hat sich hier wirklich Einiges getan und mir persönlich ist es mittlerweile völlig egal, ob mein krachiges Spiel digital oder analog verstärkt wird. Digital ist zumindest viel einfacher zu recorden.

Jahrelang habe ich Amplitube von IK Multimedia benutzt. Dort hatte es mir immer die Orange-Reihe angetan. Vor einem Jahr habe ich dann TH-U von Overloud getestet und mich sofort verliebt. TH-U zerrte nicht so extrem an meinem Laptop-Prozessor und die einzelnen Amp-Modelle klangen in meinen Ohren besser und es gibt hier die Möglichkeit IRs von Drittanbietern im Convolver zu importieren, was einem nahezu unendlich viele Soundkombinationen ermöglicht. Der Convolver ist in etwa mit einem Kemper Amp vergleichbar, nur etwas abgespeckter und natürlich in Softwareform.

Aber im Grunde handelt es sich hier auch nur um einen Verstärker und ein paar Effekte, genau wie man es auch in real kennt, nur halt irgendwie virtuell. Spielen muss man trotzdem selber, mit einer echten Gitarre …. zaubern kann die Software auch nicht. Der Vorteil ist auch hier das einfachere Recording. Man benötigt keine Mikrofone und keine gute Raumakustik. Außerdem kann man alles in Zimmerlautstärke oder über Kopfhörer benutzen.

Native Instruments Kontakt

Wir verwenden immer wieder mal Instrumente, die wir nicht wirklich zuhause oder im Proberaum stehen haben (Piano, elektr. Piano, Percussion, diverse Synths, obskuren Krams). Diese Instrumente sind gesampled und werden mit dem Midi-Keyboard eingespielt. Das machen mittlerweile viele Leute so. Und als die Beatles es mit dem Mellotron schon so gemacht haben, war es auch noch cool.

Kontakt 6

Kontakt ist ein ganz unglaublicher Sampler, mit dem man auch selber hervorragend irgendwelchen Scheiß samplen kann und dann später in seinen Songs nutzen könnte. Aber der Hauptgrund, warum wir Kontakt für mound nutzen sind die verfügbaren Instrumente. Neben der netten Factory Library gibt es viele großartige Sample-Bibliotheken akustischer Instrumente.

Also, ehe man sich ein tonnenschweres Upright Piano in den Proberaum schiebt, kann man lieber die Sample-Bibliothek eines Pianos in den RAM eines Rechners laden … klingt später im Mix genauso. Allein die mitgelieferte Factory-Library von Kontakt bietet eine solch große Vielfalt verschiedenster Instrumente in ausreichender Qualität, dass der Kauf schon allein deswegen lohnt.

Arturia V-Collection

Diese Collection wird nicht wirklich oft von uns eingesetzt. Sie beinhaltet die bekanntesten Vintage Synthesizer der Musikgeschichte (Minimoog, Moog Modular, Buchla, Arp 2600, Synclavier, Fairlight, … und klassische Tasteninstrumente wie Piano, Mellotron, elektr. Piano, Orgel, … eine traumhafte Sammlung und eher eine Spielzeugsammlung für mich 😉

Arturia Arp 2600

Spitfire LABS

Spitfire Audio ist eigentlich für seine feinen Streicher Bibliotheken für Kontakt bekannt. LABS ist ein Projekt mit ungewöhnlich gesampleten akustischen Instrumenten und Field Recordings. Diese Sammlung ist komplett kostenlos, man benötigt hierfür kein Kontakt und sie verbirgt das ein oder andere Schätzchen, dass manchen Songs noch den letzten Schliff verpassen kann.

Spitfire Audio LABS

Fabfilter Effekt Bundle

Im Grunde verfügt so gut wie jede DAW über Effekt-Plugins und diese sind meistens auch gut genug, um seine Songs zu mischen oder mit sonstigen Effekten zu versehen. Allerdings sind einige Effekte einfach etwas besser (darum besitzen Gitarristen auch meisten eine riesige Sammlung von Effektpedalen).

Fabfilter Q3

Das Bundle von Fabfilter besitzt alles was das Herz begehrt und alle Plugins haben dieselbe intuitive Benutzeroberfläche. Neben einem EQ, diverse Kompressoren und einem Reverb gibt es ein umfangreiches Distortion– und ein kreatives Delay-Plugin.

Kilohearts Toolbox

Eine weitere Effektsammlung, die ich besonders für ihre Einfachheit schätze. Sie erinnern mich sehr an die Effekte von Bitwig Studio und erweitern die native Sammlung der DAW mit kreativen Leckerbissen.

Kilohearts SnapHeap

Die Kilohearts Toolbox verfügt über haufenweise Effekte, die in zwei Containern auch kombiniert werden können. Das könnte man natürlich auch in Bitwig so machen, aber Kilohearts macht das alles verdammt übersichtlich. Des Weiteren ist in der Toolbox der Hammer-Synth Phase Plant enthalten, der ein Traum für Sound Designer ist.

Wer etwas mehr über die Kilohearts Toolbox erfahren will, könnte mal einen Blick auf meinen Tropone-Blogpost „Audio-Effekte angetestet: Kilohearts Snap Heap und Multipass„.

Fazit

Digitale Instrumente und Effekte sind nicht jedermanns Sache. Während heutzutage quasi jeder eine digitale Recording-Software benutzt, lieben die meisten noch ihre analogen Instrumente und Effekte. Ich selbst mag auch den Sound eines alten Röhrenverstärkers oder analogen Delay-Pedals. Ich kriege Gänsehaut wenn ich ein echtes Cello höre und staune über den Einfallsreichtum der Beatles im Studio, in dem kein Computer stand.

Allerdings macht die Digitaltechnik das Aufnehmen für eine Hobby-Band erschwinglich. Hiermit wird es jedem Enthusiasten ermöglicht seine Ideen direkt zu verwirklichen und keiner ist mehr von einem Label abhängig, dass ein Studio bezahlt. Ob soviel zugängliche Tools nun wirklich ein Segen sind, ist ein anderes Thema, denn bei solch einer erschwinglichen Auswahl an Spielzeugen kann einem manchmal etwas schwindelig werden…

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