Was macht man eigentlich als ambitionierter Homerecorder, wenn man mal ein fieses Gitarrenfeedback braucht?

Ah ja, gut dass ihr fragt. Wenn man zuhause vor seinem Laptop sitzt und Gitarren aufnimmt, dann kann es durchaus sein, dass noch andere Personen anwesend sind. D.h. man sollte vielleicht nicht den Marshall Turm aufbauen, ein Mikrofon davor stellen und losbrettern.

Die zweite – weit verbreitete – Möglichkeit wäre der digitale Weg: Gitarre ins Audio-Interface einstöpseln und das Signal durch eine Amp-Software schicken. Perfekt für Aufnahmen, aber weniger analog. D.h. so typische und gewollte Störgeräusche, wie z.B. ein herrliches Gitarrenfeedback à la Sonic Youth ist nicht so einfach umzusetzen.

Was macht man da? Man benutzt einen Synthesizer. Uhh, echt jetzt? Synthesizer? Ja, warum nicht. Synth-Software gibt es wie Sand am Meer und viele davon kosten nicht einen Cent. Als erstes fällt mir da Vital ein. Ein hervorragender Alleskönner, der mit Sicherheit auch ein Gitarrenfeedback emulieren kann.

Was auf den ersten Blick echt kompliziert aussieht, ist gar nicht so schwer. Für ein Gitarrenfeedback benötigt man zunächst eine einfache Sinuswelle. In Vital klickt man hierzu auf die Presets des OSC1 und wählt hier Basic Shapes aus. Als erstes stimmt man den Oszillator eine Oktave höher, d.h. man stellt unter Pitch +12 Halbtöne ein.

Wenn man den Synthesizer nun mit einem Midi-Keyboard spielt klingt das noch nicht wirklich nach Feedback. Daher ändert man die Einstellungen des Amp-Envelopes (ENV1). Das Attack sollte ungefähr 1,5 Sek betragen und das Release ca. 3-4 Sek.

Jetzt kann man den gewünschten Effekt schon erahnen:

Naja, es macht natürlich mehr Sinn das ganze durch einen angezerrten Gitarrenverstärker zu schicken. Daher packe ich eine Amp-Simulation als Effekt hinter den Synthesizer.

Ok, ja … das klingt schon ganz nett. Mit dem Keyboard könnte man so schon ganz nette und auch dissonante Feedbacks erzeugen. Aber irgendwas fehlt noch. Beim echten Verstärker schlägt der Ton manchmal so unverhofft um. Vielleicht wäre es eine gute Idee noch einen zweiten Oszillator mit einer weiteren Sinuswelle hinzuzufügen. Diesen zweiten OSC stimme ich aber noch eine Oktave höher.

Fast gut. Cooler wäre es noch, wenn man irgendwie zwischen diesen beiden Oszillatoren hin- und herschalten könnte, um dieses unvorhersehbare „Umkippen“ des Sounds nachzubilden.

Dafür eignet sich zum Beispiel das Mod Wheel des Keyboards. Wenn es ganz nach unten gestellt ist, tönt der erste Oszillator und wenn man es hochdreht wird der eine OSC leiser und gleichzeitig der zweite OSC lauter. In Vital kann man das leicht umsetzen.

Wenn man nun ein paar Noten spielt und dann mit dem Mod Wheel rumtüdelt, lassen sich fast echte Gitarren Feedbacks erzeugen:

Problem gelöst…

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