Geschichte

Wenn man 17 ist, mit der Schule fast fertig und ansonsten eher gelangweilt … ist Musik eine gute Idee. Etwa in dem Alter besorgte Frank vom Bekannten eine Gitarre und einen Verstärker und wir gründeten am selben Tag eine Band. Ich sollte Gitarre spielen und Frank wollte der Drummer sein … ein Schlagzeug hatten wir allerdings nicht.

Unsere Vorbilder waren Metallica, Slayer und andere Helden des Thrash-Metal der 80er und 90er. Unsere Truppe nannte sich Plastica (richtig einfallsreich) und wir haben damals schon immer sofort unsere ersten Gehversuche auf Tape festgehalten. Leider gibt es diese ersten Aufnahmen nicht mehr.

Da wir kein Drumkit hatten nutzen wir als ersten meinen alten C64 8Bit Heimcomputer. Dort gab es so ein Programm, bei dem man mit der Tastatur Samples eines Drumkits spielen konnte. Wir tauften uns dann Nuclear Attack und machten Spaßpunk mit lustigen Texten. Ich weiß gar nicht mehr wie lange es genau dauerte, aber irgendwann kamen wir an einen Proberaum mit vorhandenem Schlagzeug.

Damals konnte man noch einmal die Woche für lau im örtlichen Kulturzentrum proben und das Equipment dort nutzen. Wir änderten erneut unseren Namen in Mad Conversation und nahmen unsere ersten Klassiker auf, wie beispielsweise Attack From Beyond und We Are Fu***n our Teacher. Leider gibt es die Aufnahmen ebenfalls nicht mehr…

Kurze Zeit später hatten wir tatsächlich unseren ersten Auftritt auf einer Keller-Party der Kneipe Moin Moin. Wir spielten als letztes, als alle anderen Gäste gegangen waren und der Wirt den Raum aufräumte … er fand unseren Krach gar nicht so übel 🙂

Der Proberaum in der Jahnhalle ging dann irgendwann flöten und wir machten wieder zuhause Spaßkrams unter dem Namen Nuclear Attack. Diesmal hatten wir sogar einen 16Bit Amiga 500 Rechner für unsere Drumsamples … Klang gleich viel besser. Das letzte Tape von Nuclear AttackSave The Whales“ (1994) existiert noch und enthält quasi ausschließlich Klassiker 😀

In den nächsten Monaten begann eine wilde Reise auf der Suche nach einem Proberaum. Wir machten hier und da mal einen Zwischenstop, aber es hat sich nie etwas Festes ergeben. 1996 haben wir uns zum ersten mal zu einer richtigen Band zusammen gefunden. Sane bestand aus 4 Mitgliedern und wir konnten erneut in der Jahnhalle proben. Wir haben recht schnell unseren Stil gefunden und auch wenn wir zu dieser Zeit noch nichts von Stoner Rock gehört haben, klangen wir genauso.

Etwa zur gleichen Zeit habe ich das erste mal den Namen mound verwendet. Seit etwa 1994 habe ich angefangen unter diesem Namen zuhause LoFi-Akustik-Gitarren Schrammelnummern aufzuzeichnen. Ende des Jahrhunderts endeten alle diese Songs auf der ersten mound CD The Mound Tapes 1994-1998.

Sane entwickelte sich zur Live-Band und absolvierte zahlreiche Auftritte in der Region, nahm Anfang 2000 eine CD auf, die alle kacke fanden und löste sich 2001 auf. Genau hier steigt Frank bei mound ein und das heutige Line-Up war geboren!

Die Geschichte unserer Zwei-Mann-Truppe begann also im Jahr 2001. Wir wollten auf jeden Fall etwas anderes machen, als bei Sane… So’n Spaßprojekt, wo man einfach mal irgend einen Scheiß aufnehmen konnte. Es war von Anfang an nie geplant damit mal live aufzutreten. Wir wollten nur einen festen Proberaum, indem wir einmal die Woche Ideen ausprobieren konnten und wenn genug Zeug zusammen war, dann wollten wir alles auf Tonträger festhalten. Ein Recording-Projekt halt.

Erste und letzte Sane CD: Sittin‘ in the kit of yer life

Die Suche nach dem Proberaum war eine Odyssee, die sich – wie schon vermutet – schwerer gestaltete, als es sich anhören mag. Nordenham ist nicht gerade bekannt für sein Angebot an Übungsstätten für angehende Rockstars. Wir wollten wirklich schon aufgeben (wir haben aber auch nur nach preislich relativ günstigen Möglichkeiten gesucht), als wir letztendlich bei der örtlichen Kirchengemeinde landeten. Die Pastorin fand das alles ganz toll und wir konnten für ganz wenig Geld einmal die Woche in der Kirche proben. Wir mussten nur versprechen, dass wir eventuell auch mal für musikalische Veranstaltungen als Aushilfsmusiker zur Verfügung stehen. “Ja klar, kein Problem.” Zum Glück ist es dazu nie gekommen.

Demo-Recording Equipment in der Kirche…

Wir teilten uns den Raum mit der kirchlichen Flötengruppe. Eine Gruppe von Mädchen im Alter von vielleicht 8 bis 14 Jahren, die es faustdick hinter den Ohren hatten. Etwa zwei Monate nach unserem Einzug in den Proberaum fehlte ein Teil des Schlagzeug Equipments. Für uns stand fest, dass die verzogenen Gören von der Flötencrew alles geklaut hatten, um es zu verkaufen und sich Zigaretten oder sonst was zu besorgen… Um eine handfeste Auseinandersetzung mit einer Schar gemeingefährlicher Flötenmädels aus dem Weg zu gehen, schlug ich Frank vor erst einmal mit der Pastorin zu reden – Petzen quasi. Und man kann gegen die Kirche sagen was man will, diese Frau entschuldigte sich und bot uns an, dass wir als Entschädigung den Raum unbegrenzt ohne Bezahlung nutzen konnten. Danke Jesus.

Das Basteln neuer Songs ging zu der Zeit unglaublich schnell von der Hand. In den letzten paar Jahren hatten sich Ideen angesammelt, die jetzt alle in neue Songs flossen. Nach ein paar Monaten waren ungefähr 14 Songs fertig, die wir dann aufnehmen wollten. Man muss dazu sagen, dass Frank und ich schon immer zusammen Musik gemacht haben. Wenn er am Schlagzeug sitzt und ich die Gitarre um habe, dann verstehen wir uns blind. Die Atmosphäre die dann herrscht kann man am besten mit den Vibes vergleichen, die präsent waren, als Davis, Coltrane, Adderley, Evans, Chambers und Cobb zusammen Kind Of Blue aufnahmen.

…in Action!

Ich besaß damals einen PC-Mini-Tower mit billigem Audio-Interface, dass sich zum Aufnehmen eignete. Softwaremäßig hatten wir uns mit einigen Raubkopien namhafter Recording-Software Hersteller eingedeckt, wussten aber nicht so recht wie man diese zu Bedienen hat. Außerdem besaßen wir ein billiges Mischpult und sogar ein kleines Mikrofon-Abnahme-Set für das Schlagzeug. Einen Gitarrenverstärker musste ich mir leihen, weil meiner noch übler klang als der, den ich mir dann geborgt hatte.

Es dauerte einen ganzen Samstagvormittag, bis der Krempel im Proberaum aufgebaut, verkabelt und einsatzfähig war. Ehrlich gesagt hatten wir keinen Schimmer wie man irgendwas abmischt. Wir habe die Mikrofone fürs Schlagzeug per Kopfhörer am Mischpult lautstärkemäßig angepasst und dann alles zusammen auf eine Audiospur geknallt. Späteres Nachmischen war somit nicht möglich. Die Gitarre haben wir dann im Nachhinein mit einem Mikrofon (dass eigentlich nicht dafür geeignet war) auf eine zweite Spur darüber gelegt. Das Ganze hat vielleicht 4 Stunden gedauert und alles war im Kasten … wer da nicht an die legendäre Recording-Session für das erste Album der Beatles denkt, hat sowieso keine Ahnung.

Recording Session…

In den nächsten Tagen haben wir dann bei mir zuhause im Wohnzimmer die Gesangspuren darüber gelegt. Alles sollte schnell gehen, warum auch immer. Meistens habe ich immer erstmal eine Gesangsmelodie mit improvisierten Texten ausprobiert. Wenn das gut klang, blieb das schon mal so … völlige Quatschtexte … einfach so gelassen. Unglaublich.

Nach zwei Wochen hatten wir 8 Stücke fertig und haben diese dann auf CD gebrannt. “Lass’ uns doch ‘ne EP machen, wäre doch cool.” Gesagt, getan. Um das Ganze ein wenig zu füllen wurden dann 2 Filler eingebaut (Das Intro wollten wir eigentlich selbst spielen, hat aber nicht geklappt. Daher haben wir einfach das Original genommen. Und in der Mitte haben wir eine Pause eingebaut, in der wir Radiokrams aufgenommen haben. Weil 1. braucht man bei einer EP von nur 8 Songs unbedingt eine Pause zwischendurch und 2. die Idee Radiokrach aufzunehmen total neu und innovativ war.)

Erste mound EP mit Frank an der Schießbude

Der Titel war aus einer improvisierten Zeile und das Cover irgendein Scheiß aus dem Internet…fertig. Schnell noch 10 Kopien gemacht und im berühmten Eldorado wahllos verteilt. Zu meinem Erstaunen hat acht Jahre später jemand aus meiner Facebook Freundesliste geschrieben, dass er eben diese EP gerade hört.

Wir machten uns danach an die Arbeit und bauten die restlichen Songs fertig. Außerdem flossen noch ein Intro und drei ältere Songs, die ich während der Zeit mit Sane mal alleine zuhause aufgenommen hatte, mit ein. Somit hatten wir dann 16 Stücke für das Album, weil zwei Songs von der Recording Session in der Kirche wieder rausflogen. Diesmal gab ich mir ein wenig mehr Mühe mit dem Cover und der Longplayer war im April 2002 fertig. Wir ließen die gleiche Promotion-Maschine laufen, wie schon bei der EP.

Mittlerweile hatte sich unsere andere Band Sane aufgelöst und wir konnten noch intensiver an neuem Material tüfteln. Diesmal sollte alles ein wenig mehr wie ‚aus einem Guss’ klingen und wir orientierten uns stilistisch an Indie- und Noiserock der 90er. Innerhalb von einem halben Jahr entstanden so 15 neue Songs, darunter ein Cover meiner Helden Sebadoh.

Wieder haben wir dann unser Recording-Equipment fein säuberlich an einem Samstagmorgen aufgebaut und angefangen zunächst nur die Schlagzeugspuren aufzunehmen. Auch diesmal landeten die Drums auf nur einer Spur, aber wir haben und etwas mehr Mühe beim Kopfhörerabmischen gegeben. Zu dieser Zeit habe ich zuhause ein wenig mit digitalen Gitarrenkrams rumgespielt und wollte diesmal die Gitarre und den Bass mithilfe eines Modeling-Vorverstärkers direkt aufzeichnen. Außerdem habe ich mir ein bisschen Halbwissen übers Mischen angelesen. Somit verbrachte ich ca. drei Monate damit alle weiteren Instrumente einzuspielen. Zuhause, vor’m Rechner.

Danach haben wir uns an einigen Wochenenden bei Frank im Wohnzimmer getroffen, einiges an Bier bereit gestellt und mehr oder weniger zusammen die Gesangsparts fertig gemacht. Auch hier gibt es wieder einige Songs, bei denen der Text komplett improvisiert und daher eigentlich wenig Sinn ergibt.

Irgendwann im Jahre 2003 war dann alles fertig und unsere altbewährte Werbetrommel wurde wieder gerührt: 10 CD Kopien wahllos im Eldorado verteilt. In den nächsten Tagen bekamen wir diesmal allerdings die ein oder andere positive Kritik um die Ohren geknallt. Das war nett.

Auch nach diesem Album schufteten wir unermüdlich im Proberaum. Neue Songs kamen und gingen. Mittlerweile konnte man sogar wirklich von Songs sprechen. Anfang 2004 waren dann wieder 11 Songs fertig und nochmal wurde alles zum Recorden aufgebaut. Immer besser fanden wir uns in den Wirren Menüs und Schaltflächen einer Aufnahmesoftware zurecht. Und es fanden auch immer mehr neue Instrumente Einzug in die Songs. Dank der heutigen Technik war es möglich, Pianoteile oder sogar Streicher einzuspielen, ohne über wirkliche Instrumente aus diesen Bereichen zu verfügen. Midi und Software machten es möglich.

Bei diesem Album sind wir genauso vorgegangen, wie auch beim letzten. Abgesehen vom Schlagzeug wurden alle anderen Parts zuhause fertig gestellt. Gleichzeitig hatten andere Musiker der Nordenhamer Szene Interesse mitzuwirken. Ronnie aus den guten alten Sane Zeiten und Delf, ein Gitarrist den wir noch von der Schule und diversen Nordenhamer Bands kannten, boten sich an eine Live-Band zu gründen und den ganzen Krams mal auf die Bühne zu bringen. Zur gleichen Zeit verloren wir unseren Proberaum in der Kirche und dank Delf’s Kontakte war schnell ein neuer gefunden. Eine alte Halle bei Felten in Nordenham diente der lokalen Theatergruppe als Proberaum und dort konnten wir einmal pro Woche unseren Krach zelebrieren.

Wir haben einiges Material unserer vorherigen Alben einstudiert und viel Neues probiert. So wirklich gezündet hat das alles aber nicht. Im Frühjahr 2005 hatten wir unseren ersten Auftritt bei einer größeren Geburtstagsparty in Bremen, der dermaßen floppte, dass ich mir schwor nie wieder eine Bühne zu betreten. Allerdings war der nächste Auftritt schon geplant. Beim hiesigen Punkrock Festival Fonsstock durften wir zu einer undankbaren Mittagszeit unsere Songs vorstellen. Und was soll ich sagen, dass war fast ebenso grottig wie die Geburtstagsfeier kurz zuvor. Danach war es mit mound erstmal vorbei.

Fonsstock 2005

Erst vier Jahre später habe ich wieder angefangen mir ein wenig Equipment zu besorgen und auf meinem Dachboden eine kleine Recording-Umgebung einzurichten. Von da aus sind eine Handvoll Songs entstanden, die ich über diverse soziale Netzwerke verbreitet habe und die später dann auf der Deep Down For Nothin‘ Compilation landeten. Aber irgendwie hatte ich zu diesem Zeitpunkt den Spaß an der Sache verloren.

Glücklicherweise habe Frank und ich uns 2011 wieder zusammen getan und ein Noise-Stoner-Projekt mit dem Namen Unsolicited Subnormal zusammen gestartet. Einen neuen Proberaum hatten wir auch. In einer Schule gleich um die Ecke. Und ausgerechnet in dem Raum, in dem wir damals dem Matheunterricht lauschten, bauten wir jetzt unsere Instrumente auf. In dieser Zeit sind ca. 8 Songs entstanden, die heute noch darauf warten zuende gestellt zu werden (…und das werden sie vielleicht auch noch).

Unsolicited Subnormal Projekt inner Schule…

Von da an bis heute haben wir immer mal wieder bei mir im Keller den Rechner angeschmissen und hier und da mal einen Song aufgenommen, aber aufgrund unserer Jobs und einer schweren Krankheit meinerseits ist das dann irgendwann eingeschlafen. Allerdings standen neue Pläne an. 2017 sollte unser neuer Probe-/Recordingraum im Garten von Frank’s Haus einsatzbereit sein und seitdem entstehen neue Songs. Aufgrund meiner einjährigen Auszeit habe ich mir alles Mögliche zum Thema Musikproduktion am Rechner beigebracht und wir nutzen heute fast ausschließlich digitale Mittel zum Recorden – weniger romantisch als früher und sicherlich auch etwas weniger Punk, aber effektiv. 

Die Gartenlaube…

Da wir bei den Aufnahmen in den letzten Monaten des Jahres 2017 und Anfang 2018 die etwas schwereren Gitarren ausgepackt haben und sämtliche Verzerrer voll durchgetreten wurden, mussten wir uns für die Vocals etwas überlegen. Ich habe diese schlichtweg nicht hinbekommen und aus diesem Grund brauchten wir jemanden, der das übernehmen wollte.

Glücklicherweise war der, den wir ins Auge gefasst hatten, auch willig uns seine Stimme zu leihen. Der Umstand, dass wir zu 90% nur ein Recording-Projekt sind und auch ansonsten eher unkompliziert, passte ihm auch ganz gut in den Kram.

Markus Gerdes treibt sich seit Mitte der 80er in diversen Bands rum, deren Genres von Metal / Hardcore über Hip Hop, Schlager bis hin zum Electrofolkfunkdiscoshanty reichen und dabei unter anderen so entzückende Namen wie Nitrophobic, Los Dildos oder MotherDoG trugen. Einen erfahreneren Vokalisten kann man hier in Nordenham wohl kaum finden.

Die grandiosen Ideen flossen nur so durch unsere Hände in die Instrumente und von dort zu hörbaren Schallwellen in die Luft … Ja, es gibt in Nordenham noch Musiker, die ihr eigenes Zeugs schreiben. Im nu konnte man den ersten Schwung neuer Songs hören, denn wir haben sie in eine EP gepackt, mit dem Titel Regular Jerk. Acht Songs vollgeproppt mit Krach, Leidenschaft und Lebensweisheit.

Im Jahr 2019 haben Frank und ich ein weiteres Nebenprojekt gestartet. Unter dem Namen Undawn fröhnen wir unserer Liebe zu alten Thrash Metal und Stoner Rock und nehmen zwischendurch immer mal wieder die eine oder andere Krachnummer für das Projekt auf. Aus diesem Grund hat die nächste mound EP auch etwas auf sich warten lassen. Sugar Cotton Clouds ist im Mai 2019 erschienen.

Die Sachen, die zwischen 2017 und 2020 fertig geworden sind und es nicht auf eine der beiden Longplayer geschafft haben, sind auf der Outtakes-Compilation Typewriter Repair Shop gelandet, die wir 2020 veröffentlicht haben.

Seit einem Jahr recorden wir jetzt schon neues Material, dass an vielen Stellen noch unfertig ist und größtenteils auch noch auf Gesang wartet. Marcus ist beruflich viel unterwegs und konnte daher wenig aufnehmen in den letzten Monaten. Zwischendurch hatten wir dann eine Corona-bedingte Pause und wir haben uns für die zweite Hälfte des Jahres 2020 wieder etwas mehr Disziplin beim Songwriting, Recorden und Fertigstellen von neuen Songs für mound vorgenommen…